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20. September 2018 – der zweite Blog

Die Resonanz auf meinen ersten Blog war überwältigend. Ich danke allen lieben Freunden, Bekannte, alten Weggefährten aus Kinderzeiten für so viele nette Nachrichten, E-Mails und fb-Messages. Ja, es wird anders! Ja, es wird spannend! Ja, Schanghai ist weit weg. Genau genommen ist die Entfernung von der Boehringerstraße 7 in Ingelheim bis zum BUND (eine große Flaniermeile im Zentrum) in Schanghai 8.867 km Luftlinie. Würde ich mich mit dem Auto auf den Weg machen, dann wären es 11.353 km. Hier würde ich durch Polen, Weißrussland, Russland und Kasachstan fahren und wäre 133 Stunden unterwegs. Uff. Da nehme ich doch lieber den Flieger und sitze 10 Stunden im Flugzeug und schaue Filme, lerne Chinesisch oder schlafe.  Die Lufthansa fliegt nonstop und auch einige asiatische Fluglinien. Lufthansa ist dann noch ein bisschen Heimat wenn ich hinfliege und wenn es nach Deutschland geht, habe ich beim Einsteigen gleich Vertrautes im Blick. Diese Erfahrung habe ich gemacht als ich mit meinem Mann Felix und den Kindern in Mexiko gelebt habe. Haribo Gummibärchen von der deutsch sprechenden Stuardess in die Hand bekommen, ja das kann schon etwas sehr Besonderes sein!!

Auf LinkedIn habe ich meinen Blog auch gepostet – und da flatterte von einem alten Golffreund, den ich seit bestimmt 25 Jahren nicht gesehen und gesprochen habe, eine herzliche Message auf mein Handy. “Hey, Luise, ich habe mit meiner Frau 3 Jahre in Shanghai gelebt. Wie kann ich Dir helfen?“ Und so entstand ein super nettes Telefonat, weitere werden folgen. Er hatte keine Zeit mehr, denn ein Golfturnier mit seinem Sohn startete… Aber für den Anfang hat er mich mit ausreichend Tips versorgt! Danke Martin!

Und auch ein Kollege von Felix, der in Shanghai war und jetzt auf den Philippinen mit seiner Familie lebt, hat uns gute Tips gegeben. Wir sollen einen Aircleaner kaufen und auch einen guten Wasserfilter mit vielen Ersatzpatronen. Ja, die Luft kann manchmal sehr dreckig sein und da ist so ein Ding in der Wohnung nützlich. Und das Leitungswasser schmeckt nach Chlor. Hmm. Jedoch ist die Luft nicht mehr so dreckig, wie vor 3 Jahren. Die Chinesen versuchen, die Verschmutzung in den Griff zu bekommen. Ich habe eine Air Quality APP runtergeladen. 4 Messstationen für Shanghai gibt es. Allerdings sollte man nur der Messstation an der amerikanischen Botschaft trauen – so Insider!

Ja, und auch die Besucherliste hat sich deutlich verlängert. Aus Ingelheim hat sich gleich eine Mädelstruppe angemeldet. Ich freue mich und heiße jeden Besucher herzlich Willkommen. Bei der Appartmentsuche werde ich auf die Größe des Gästezimmers achten!

Mein Mann ist offiziell seit einer Woche als Landesleiter ab 2019 in Shanghai von seinen neuen Kollegen begrüßt worden. Im Vorfeld gab es einen kleinen Wettbewerb unter den Kollegen, um den besten chinesischen Namen für Felix zu finden. Er heisst nun dort Gao Xi Fei. Er bedeutet: Flying High Together. Laut einer belieben “Chinese fortune telling website“ hat dieser Name den “highest auspicious score“! Ich bin begeistert. Es scheint mehr als wichtig zu sein, einen guten, den Glücksgöttern (?) zugewandten Namen zu haben. 
Ich möchte natürlich auch einen chinesischen Namen haben, der soll dann bei nächster Gelegenheit in einem weiteren Wettbewerb gefunden werden. Der Sieger oder der Kreativste bekommt dann von mir einen guten Deutschen Riesling und eine Schachtel Deutsche Schokolade. Dann habe ich auf höchster Ebene einen Glücksnamen – wie herrlich, besser gehts nicht.

Bis nächste Woche! 

12. September 2018 – mein erster Eintrag 

Seit gestern ist es nun offiziell. Ich werde mich mit meiner Familie in 2019 noch einmal auf ein großes Abenteuer stürzen. Nach 5 Jahren in Italien und 3 Jahren in Mexiko werde ich mich mit meinem Mann und mindestens 2 meiner vier Kinder gen Osten aufmachen und China für die nächsten 3-4 Jahre unser Zuhause nennen. Ich ziehe in die Weltmetropole Schanghai und finde es wahnsinnig spannend. Es ist ein Land voller Gegensätze und ein Land voller spannender Orte, die es zu entdecken und zu bereisen gilt. Es wird definitiv anders sein als das 26.000 Einwohner zählende Ingelheim am Rhein, das im wunderschönen Rheinhessen liegt mit Weinbergen, Winzern und altem Fachwerkhaus, mit kleinen Weinschänken, schönen Fahrradwegen und Kerbfesten in jedem Dorf. Dies habe ich die letzen 10 Jahre erlebt und genossen, habe unsere Kinder groß gezogen und habe sie zur Selbständigkeit ermutigt, habe ihnen die Welt gezeigt und ihnen immer empfohlen, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Der Tellerrand ist nun erstmal weit weg, der Weg aus der Comfortzone muss gewagt werden, aber ich bin mir sicher, es ist ein toller Weg und es ist eine Bereicherung fürs Leben.

Wahrscheinlich werde ich dann meiner Leidenschaft – der Golffotografie – erstmal nicht so wirklich nachgehen können, aber ich werde sicher andere neue Möglichkeiten für mich entdecken. Ein eigener Bildband über das Leben in Schanghai? Einen eigenen Blog? Ein Erfahrungsbericht schreiben und dabei das Leben der 1,4 Milliarden Chinesen mit meiner Kamera einfangen? Oder nochmal an eine Universität gehen? Nochmal etwas neues lernen? Mit 46 ist das nicht zu spät, um seinen Wissenhorizont zu erweitern  und die Neugierde für anderes zu stillen? Ja, so kann es sein!

Ich habe in den Jahren eine recht ordentliche Fotoausrüstung mir angeschafft, ich werde alles mitnehmen und sehe mich schon mit Fototasche durch das pulsierende Schanghai schlendern und den Finger nicht vom Auslöser nehmen.

Ich entdecke täglich neues – Fotoausstellungen, Fotomuseen, Fotokünstler – alles werde ich entdecken. Und das schöne dabei ist, dass Schanghai eine sichere Stadt ist und ich keine Angst um mich haben muss, wenn ich eben auch mal allein auf Entdeckungsreise in der Stadt gehe. Das wäre in Mexiko-City nun wirklich nicht möglich gewesen.

Annehmlichkeiten musst Du auch einfach nutzen und so wird mein Mann einen Chauffeur bekommen, der natürlich auch für mich und die Kinder da sein wird. Sofern ich mich mit ihm verständigen kann, werde ich ihn zu Touren mitnehmen.