Ich habe einen Janosch-Ehemann!

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Chinablog

Achter Blog am 8. November 2018

Die Zeit rennt dahin und das gemeinsame Leben mit meinem Mann in Ingelheim endet in 8 Wochen. Am 7. Januar geht es für ihn nach Shanghai, der neue Arbeitsvertrag ist unterschrieben. Unser Weg ist nun definitiv klar. Drei bis vier Jahre werden wir in Shanghai leben und zum dritten mal in das Expat-Leben eintauchen. Im Januar wird mein Mann noch Fünfzig, eine Zahl, wo der ein oder andere in eine Midlifecrisis geht und sich endlich den ersehnten Porsche oder die ersehnte Uhr oder anderes Materielles kaufen muss, weil es halt so ist. Meiner hat da gar keine Zeit zu, denn er kümmert sich um viel Wichtigeres. Er kümmert sich um seine Familie und um das Wohl aller. Dies macht er mit einer Hingabe und Intensität, wo ich nicht hinterherkomme und ich mich frage, woher er diese Kraft nimmt. Alle vier Kinder sollen ja irgendwie mit der neuen Situation glücklich sein und sich wohl fühlen mit den Entscheidungen, die wir mit ihnen für sie treffen. Und dann bin ja auch noch ich, seine Frau, da. Auch nicht immer leicht!  Neben all dem Organisieren gibt es für ihn den laufenden Job, den neue Job, eine große Stiftung, seine Eltern und seinen Bruder, sein Revier und seine Freunde. Auch er hat sich ein Buch zugelegt, um alle Gedanke und To Do Listen zu notieren. Alle Bälle sollen ja in der Luft jongliert werden. Ganz nüchtern und  eher technisch werden die beiden Jobs und die Stiftung und sein Revier behandelt. Das ist irgendwie “business“, das emotionale ist ja das, was mehr Kraft kostet. Seine Eltern sind natürlich traurig, dass wir weg ziehen und wir uns nicht mehr so häufig vorerst sehen können, die Freunde irgendwie verabschieden, da wird in der nächsten Zeit auch nicht viel Zeit übrig bleiben. Das Emotionalste und Wichtigste ist und bleibt der Kern des Ganzen: die Familie. Für ihn stellt sich wiederholt die Frage: was kann ich tun, dass alle glücklich sind? Ein bisschen wie Vater Janosch, der seine Frau morgens ins Büro zwitschern lässt und seine 7 Kinder auf unterschiedliche Weise glücklich macht. Ein tolles Buch! Ich zwitschere zwar nicht ins Büro, sondern an meinem Schreibtisch und blogge oder schnappe mir meine Kamerataschen und flitze zum Kunden. Ich bin für ihn da und er ist für mich da und wir besprechen die Dinge und leuchte sie aus. Teamarbeit! Für die Kinder steht nun ihr Fahrplan fest. Unser ältester Sohn ist bereits im 2. Jahr in einem tollen Internat in Schottland -Gordonstoun- und ist dort mehr als glücklich. Jedoch würde er auch mal gerne in einer Millionenmetropole leben. Als 16 jährige nur zu gut zu verstehen. Jedoch bleibt er im hohen Norden und kann nach seinem Schulabschluss ja auch ein Gap-Jahr machen und bei uns sein. Unsere Tochter hat sich nun auch für Schottland entschieden, für das gleiche Internat. Diese Entscheidung war nicht leicht für sie. In unseren Augen genau das Richtige, denn sie wird in einer tollen Gemeinschaft sein, Boarding Schule erleben und auch ihren Golfsport nicht aus den Augen verlieren. Sie ist ein großes Talent und viele Türen stehen für junge Golferinnen nach dem Schulabschluss offen. Ich werde sicherlich viel traurig sein, dass sie dann nicht mehr bei mir ist, es ist aber das Loslassen des Kindes zum richtigen Zeitpunkt und wir haben alle unsere Kinder zur Selbständigkeit erzogen. Nun wird sie auch in die große Welt ziehen ohne mich ständig bei sich zu haben. Die Jungs gehen mit uns und wir schicken sie auf eine britische Schule! Auch für sie wird es eine Umstellung sein, jedoch sind die beiden ein Team und habe sich und sie sind bei uns. Werden sie ihre Geschwister vermissen? Oh, ja, sie vermissen jetzt auch sehr ihrem großen Bruder und wenn die geliebte Schwester dann auch nicht da ist, ja, das wird nicht leicht. Und da springen dann wieder mein Mann und ich ein, wir fangen auf, wir reden gut zu, wir bauen auf und wir lenken ab.

Ich sehe jetzt schon vor meinem Auge meinen Mann, der die maximale gemeinsame Zeit bei unterschiedlichen Ferien auf unterschiedlichen Kontinenten herausarbeitet, die besten Flüge sucht und mit mir die schönsten Ferienorte erkundet. Vielleicht wird es dann nichts exotisches, denn alle wollen nach Deutschland in unsere Mühle im Hunsrück aber vielleicht suchen wir auch ein Reiseziel, das für alle neu ist und wir es gemeinsam als Familie entdecken. Und danach, was auch immer wir unternommen haben, nehme ich meine Erinnerungen an diese Zeit und lege sie sorgfältig in meine Schublade und wenn es mir danach ist, öffne ich die Schublade, lasse die gemeinsame Zeit mit der Familie an mir vorüberziehen. 

Mir ist klar: Familie ist ein Ort der Kraft, eine intakte Familie ist etwas Besonderes gerade wenn das Expat-Leben ruft und alle glücklich gemacht werden müssen, eben so wie Vater Janosch es vormacht.

Luise 

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